Oliver Möst führt dem Betrachter mit einer „radikal subjektiven“ Kunst immer wieder vor Augen, das selbst die alltäglichsten Dinge aus einer anderen Perspektive neue Qualitäten bekommen. Diesen Ansatz verfolgt er auch bei seiner konzeptuellen Serie „Clackastigmat 6.0“, in der populäre Motive wie Aktbilder, Blumenstillleben oder Strandszenen für den Betrachter verfremdet werden, indem der Fotolinse das 6.0 Dioptrien starke Brillenglas des Fotografen vorgesetzt wird. Was nun entsteht, sind komplett unscharfe Aufnahmen, die es ermöglichen, die Welt so wahrzunehmen, wie es der „Astigmatiker“ Möst ohne Brille tun würde. Vor allem aber schafft er auf diese Weise Kunstwerke von traumhafter luzider Ästhetik.
Oliver Möst reizt die physikalischen und technischen Möglichkeiten seiner – stets analogen – Kameras aus. Er modifiziert sie mit einem Brillenglas oder nutzt eine umgebaute Lochkamera für seine Videoarbeiten.
Fragen nach der visuellen Wahrnehmung bewegen Oliver Möst wie kein anderes Thema, wie sich auch in seinen PinholeVideos zeigt. In „Totensonntag“ gelingt es ihm, dem Betrachter ein bekanntes „Bild“ so vor Augen zu führen, dass er es nur schwerlich erkennt – den letzten Rest der Abrissruine des Palasts der Republik, aufgenommen im Gegenlicht, am Totensonntag, bevor er schließlich am nächsten Tag komplett eingeebnet wurde. „Brown Eyes“ visualisiert die Auseinandersetzung mit dem Thema Sehen noch deutlicher: hier spielt der Künstler scheinbar mit seinen eigenen Augen.
Verena Dollenmaier
