Eine Idee, oder „Information“, reduziert Fernado Niño-Sánchez solange, bis ihre Essenz zum Vorschein kommt. Für diese sucht er anschließend den passenden künstlerischen Ausdruck und wechselt dabei mühelos zwischen den Medien Installation, Zeichnung, Fotografie, Objekt und Videoarbeit. Eines seiner Vorbilder für die Visualisierung des „Wesentlichen“ sieht der Künstler in einem Objekt von Marcel Duchamp, A bruit secret. Dieser bat einen Freund, einen ihm selbst unbekannten Gegenstand in ein zwischen Metallplatten geklemmtes Garnknäuel zu stecken, wodurch beim Schütteln das „versteckte Geräusch“ entstand. Für die Geheimnisse, die sich hinter den Dingen verbergen, interessiert sich Fernando Niño-Sánchez gleichermaßen.
Bei allem Humor verstecken sich hinter den Werken des Künstlers immer ernsthafte und brisante Hintergründe. So beschäftigt sich der gebürtige Kolumbianer unter anderem mit Themen zu interkulturellem Austausch, Integration oder Disintegration, aber auch mit Fragen zur Globalisierung und Umweltzerstörung. Er findet hierzu eindringliche wie naheliegende Bilder, die voller Ironie stecken können, den Betrachter aber vor allem zum Nachdenken anregen und ihn für bestimmte Problematiken sensibilisieren sollen.
So baut Fernando Niño-Sanchez zum Beispiel Objekte in der Form bekannter Marken-Logos, die durch das Aufkleben von Discoutertüten ein neues Aussehen erhalten; er irritiert den Betrachter und regt ihn an, sein Konsumverhalten und sein Verhältnis zu scheinbar identitätsstiftenden Statussymbolen zu hinterfragen.
Seine Arbeiten überführen alltägliche Objekte in Kunstgegenstände, die so als Zeichen einer weiter gefassten Idee fungieren. Diese Ideen oder Essenzen erschließen sich ihrem Gegenüber nicht durch flüchtiges Betrachten, sondern verlangen eine bewusste Auseinandersetzung mit den Intentionen des Künstlers.
Verena Dollenmaier
