Die großformatigen Gemälde von Myrtia Wefelmeier entfalten ihre magische Wirkung unmittelbar und ziehen sofort in ihren Bann. Unbewegte Figuren, die oft in Ganzkörperansicht und überlebensgroß dargestellt sind, blicken ihrem Gegenüber gedankenverloren entgegen. Sie scheinen innezuhalten, festgehalten in einem flüchtigen Moment der Stille und ihrer Umgebung oftmals seltsam fremd. Ein zentraler Aspekt ist der Kontrast zwischen Natürlichkeit und Künstlichkeit, zwischen Vertrautheit und Befremdung: auf diesen Spannungsboden platziert die Malerin ihre Bilderwelten.
Wie Statisten agieren ihre Figuren auf einer inneren Bühne, posieren wie für das Familienalbum vor kulissenartigen Architekturen, Parkanlagen oder Waldlandschaften. Aber die Idylle scheint gestört, dunkle Schatten durchziehen ganze Bildpartien und leise Brüche in der Bildkomposition erzeugen Irritationen.
Das wohl signifikanteste Merkmal ist die virtuose Malweise; durch einen sehr eigenwilligen Realismus und die großen Bildformate erreicht Myrtia Wefelmeier eine befremdliche – mitunter stark beunruhigende – Bildwirkung.
Ihre psychologisch aufgeladenen Bildwelten lassen an Erinnerungsbilder denken, die keine konkreten Situationen sondern die Stimmung, an die man sich in der Rückschau erinnert, festhalten wollen. Häufig spielt die Künstlerin auf die Urfragen – und vielleicht auch die Urängste – des Menschen an, und setzt sich mit dessen Verortung in der eigenen Geschichte auseinander.
Verena Dollenmaier
